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W01 - Halifax: Bikes & Boats

Halifax hat uns trotzt des kleinen Buchungsfehlers vor allem mit viel Sonne und warmer Meeresluft begrüßt. Sowohl Kira als auch ich waren bereits beim Verlassen des Fliegers erstaunt, ob wir - so rein vom Wetter - überhaupt in Kanada gelandet waren. Hatten wir uns doch zu Hause noch Sorgen darüber gemacht, ob die Schlafsäcke uns wirklich warm halten würden, mussten wir uns erstmal den Pullover ausziehen. Zum Glück waren wir nicht als Einzige erstaunt über die Temperaturen, so hörte man auf der Straße oder im Park immer wieder verwunderte und erfreute Kanadier ausrufen: „What a beautiful day in September!“

Doch auch unabhängig vom Wetter wurde uns immer deutlicher in was für einem schrecklich netten Land wir gelandet waren. Die vielen hilfsbereiten Menschen, die exzessiven Excuse-me-Sager*innen, die Autofahrer die bereits anhalten, obwohl man selber noch nicht daran gedacht hatte die Straße zu überqueren. Wir haben sogar eine Rockergruppe erlebt, die brav angehalten und per Handzeichen darum gebeten hat, dass wir die Straße unbedingt noch vor ihnen überqueren sollen. Selten fühlte man sich im Straßenverkehr so sicher. Wir hoffen, dass wir dieses Gefühl auch auf den Fahrrädern außerhalb der Stadt erleben werden. 

 

Wo wir auch gleich beim Thema der Woche sind: Fahrräder.

 

Gefühlt haben wir die erste Woche im Fahrradladen um die Ecke verbracht. Cyclesmith ist, genau wie unser Hostel, im North End von Halifax angesiedelt, einem Stadtteil, der stark angesagt ist und dadurch auch die Vor- und Nachteile von Gentrifizierung erfährt. Nichts desto trotz hat man den Eindruck, dass das Zusammenleben hier (noch) sehr gut funktioniert und das Backpackers-Hostel mit zugehörigem Café/Bar Alteregos durch seinen 18 jährigen Bestand bereits eine kleine Instanz im sozialen Gefüge des Stadtteils geworden ist. Es bleibt zu hoffen, dass die Gottingen Street und der gesamte Stadtteil es schaffen, die hier wachsenden Kontraste zwischen der Salvation Army auf der einen und den hippen Cafés, Craft-Beer-Brauereien, und Concept Stores auf der anderen Straßenseite für Alle zufriedenstellend zu vereinen. An Offenheit hierfür fehlt es den Leuten und der Straße jedenfalls nicht. So ist die Regenbogenflagge häufiger gehisst als die Kanadische und auch die vielfältigen Clubs und Bars wie z.B. das gegenüberliegende Menz Mollyz oder der Torpedo Saunaclub bieten viel Raum für eine offene Lebens- und Liebesgestaltung.

Womit wir auch wieder beim Thema wären: Liebesgestaltung und Cyclesmith! Obwohl wir an unserem ersten Tag in Halifax den Mitarbeiter*innen bei Cyclesmith eigentlich nur „Hallo“ sagen wollten, verbrachten wir mehrere Stunden damit, die Fahrräder anzupassen und erste Stadtrunden mit unseren neuen Trek 920 zu drehen. Die Mitarbeiter*innen, allen voran Mitchell, haben uns dabei sehr professionell und freundlich beraten. Insgesamt waren wir an drei Tagen immer wieder für mehrere Stunden im Shop und haben alles getestet, was man an einem Fahrrad testen kann. Leider warten wir noch immer auf einen Nabendynamo, welcher aus den USA importiert wird. Wir hoffen, dass dieser noch vor dem Wochenende kommt, da wir sonst erneut unseren Aufenthalt in Halifax verlängern müssen und somit die Zeit, bis es wirklich wirklich kalt wird, immer näher rückt.

 

Unabhängig davon hat uns Cyclesmith in den ersten Tagen einen kleinen Heimathafen geboten und uns auch unabhängig vom Thema Fahrrad immer viele hilfreiche Tipps zum Leben in Halifax gegeben. Solltet ihr also mal in Halifax sein und ggf. auch ein Fahrrad kaufen wollen oder einfach nur wissen wollen, wo es den besten Kaffee in Halifax gibt, solltet ihr den Jungs und Mädels einfach mal „Hallo“ sagen, so wie wir es tun wollten. ;)

Für alle die jetzt denken (so wie auch wir den Eindruck hatten), dass Kanada und Halifax nur aus Cyclesmith besteht, hier einige Dinge, die wir nebenbei erlebt haben:

 

Halifax Downtown:

Die Innenstadt von Halifax liegt an einem Berg. Zwischen den Blocks hat man so immer wieder einen schönen Blick aufs Wasser. Wirklich schöne Straßen mit kleinen kanadischen Häusern und den so gemütlichen „Patios“ findet man allerdings eher außerhalb, z.B. auf dem Weg zu Walmart. 

Poutine: 

Pommes, Bratensoße und Bruchkäse. Populäre Fast-Food-Spezialität in Kanada. Natürlich auch gut in der veganen Variante: Pommes.

Wir haben diese Mahlzeit immer am Hafen von Halifax genossen und uns mehr und mehr an die kanadischen Portionen gewöhnt. 

 

Halifax Public Gardens:

Wunderschöner viktorianischer Garten. Umsonst und draußen.

Farmers’ Market:

Im Pier von Halifax, wo auch die riesigen Umweltverschmutzer täglich anlanden und ihre Passagiere auf die Waterfront ausschütten, gibt es einen Farmers’ Market, der eigentlich (wie der Name andeutet) Lebensmittel aus der Region verkaufen soll. Leider gab es dort nur einen Stand mit Fresh Goods und ansonsten viele kleine, mehr oder weniger schöne Handwerkerstände. Einziger Lichtblick war hier das kleine Restaurant Norberts Good Food, welches mir (etwas kränkelnd) eine wunderbar stückige Hühnersuppe servieren konnte, von der ich gleich nochmal einen großen Nachschlag nehmen musste. 

MEC (Mountain Equipment Co-op):

Dieser Laden ist so exklusiv, dass man Mitglied werden muss, um dort einzukaufen. Falls ihr in Halifax Equipment für euer „outdoorsy-holiday“ benötigt, hier bekommt ihr es.

 

Die Fähre nach Dartmouth:

Für 2,50 CAD hin und zurück. Günstiger kann man keine große Hafenrundfahrt bekommen. Wie Mitchell sagt: Das beste an Dartmouth ist der Blick auf Halifax. Wer diesen besonders genießen will, kann etwa 40 Minuten von einem Fährterminal zum anderen laufen. Liebhaber von Gewerbegebieten kommen hierbei voll und ganz auf ihre Kosten. Wer darauf nicht so Lust hat, sollte die Hauptstraße von Dartmouth erkunden und eine Kleinigkeit in einem der vielen Restaurants essen.

Natürlich bietet Halifax noch viele weitere Sehenswürdigkeiten und Museen. Unser Fokus lag aber vor allem bei der Organisation des weiteren Weges. Drückt uns die Daumen, dass der Dynamo es bald nach Kanada schafft und wir endlich losfahren können. 

 

Grüße Pascal

Update: Der Nabendynamo hat die Grenze nach Kanada überwunden und strahlt nun ausgesprochen hell. Sonntag wollen wir starten. 

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Kommentare: 7
  • #1

    Barbara (Samstag, 22 September 2018 23:44)

    Oh wie schön, es klingt doch jetzt alles nach einer schöne ersten Urlaubswoche :) & das der Dynamo es noch rechtzeitig geschafft hat ist doch perfekt! Sehr schön auch die Skyline von Halifax.
    Morgen beginnt dann also das richtige Abenteuer, mit zelten, Fahrrad fahren und all den anderen Unvorhersehbarkeiten! Brr, Abenteuer eben! Habt ihr gute Fahradschlösser um eure chicen Bikes vor Bösen Buben schützen zu können??? Oh weh, ich merke schon zu viele Gedanken drängen sich da in meinen Kopf.... Ihr macht das schon ;) Also auf in den Indian Summer- Passt aber trotzdem auf euch auf!!! :*:*:* HEL

  • #2

    Nele (Sonntag, 23 September 2018 09:43)

    Toll geschrieben Pascal & schön zu lesen dass der Beginn eurer Reise schon mal sehr vielversprechend war. Ich wünsch euch eine tolle Zeit und freu mich ab und zu von euch zu lesen.
    Virtuelle Umarmung aus Berlin
    Von Nele

  • #3

    Thomas (Sonntag, 23 September 2018 14:48)

    Yeah, es gibt auch ein Leben nach Cyclesmith .......
    ;)) !!

  • #4

    Sandra (Sonntag, 23 September 2018 15:07)

    Hoffe, ihr konntet heute tatsächlich starten in das Fahrradabenteuer. Liebste Grüße aus Göttingen!

  • #5

    Lara (Montag, 24 September 2018 11:59)

    Super, dass ihr jetzt mit der Tour starten konntet!!!
    Ich hoffe ihr hattet einen guten Start gestern und heute geht es genau so schön weiter!

  • #6

    Col & Dete (Mittwoch, 26 September 2018 20:11)

    Toll geschrieben... Beeindruckende Bilder... wir wünschen euch immer eine bergabwärts Strecke zum Ausruhen auf eurem Weg und viele weitere phantastische Eindrücke. LG von uns 4ren

  • #7

    Renate u. Peter (Sonntag, 30 September 2018 16:26)

    Pascal hast du super geschrieben und tolle bilder gemacht. Lg aus deinen harz